gut erhaltene Broschüre: „Darstellungen aus dem Kultur- und Geistesleben Österreichs, Heft 3“, aus erster Seite Gummistempelabdruck „Dr. Schima“

Der Bindenschild-Verlag ist eine typische Erscheinung des konservativen, nationalen Österreich nach der Erfahrung des Nationalsozialismus: Mit Betonung auf die österreichische Tradition soll durch das Verlagsprogramm ein Prozess des nation-building angeleitet und befördert werden; erhellend dazu (aus http://www.cerberos-forum.at/forum/viewtopic.php?t=912&sid=5dd1f9024a58ac40edc574268ce0ab26, leider nicht mehr aktuell):

„Ich zitiere meinen Vater, den nur noch eine andere Person besser kannte als ich - meine Mutter.
Als Ex-Seminarist noch in der Monarchie geboren, praktizierender Katholik mit einer wertkonservativen Einstellung, erfolgreicher Akademiker, der neben den Rechtswissenschaften auch unter Universitätsprofessor von Srbik Geschichte studierte und sich daher in den kleinösterreichischen, republikanischen Verhältnissen der Zwischenkriegszeit nicht zurecht finden konnte oder wollte, der es jedoch zu einer sehr hohen Position in der Wiener Handelskammer brachte, wurde er aus geschichtlichen, romantisch-deutschen Gründen ein begeisterter Großdeutscher, der frühzeitig, trotz der Lektüre des "Mein Kampf" (!), als Illegaler der NSDAP beitrat. Glühend die Revision von Versaille befürwortend, rannte er gemeinsam mit dem späteren Finanzminister Kamitz zum Stellungskommando in der Stiftskaserne, um rechtzeitig am Frankreichfeldzug teilnehmen zu können nur um schließlich gegen Ende 1944 schwer krank aus Russland heimzukehren.
Drei Dinge prägten jedoch seine weitere Entwicklung:
1. Der Einmarsch der Deutschen in Wien 1938, wo sich die Preussen selbstherrlich und überheblich wie Kolonialherren aufspielten und Rot-Weiß-Rot durch die Hakenkreuzfahne ersetzt wurde. Da traten zum ersten Mal Zweifel auf. Als ich 1943 getauft wurde, schenkten mir die Eltern bewusst in Opposition zum preussisch-friederizianischen Geiste des 3. Reiches die zusätzlichen Taufnamen Franz Josef!
2. Aktive Opposition zur kirchenfeindlichen Einstellung der NSDAP. Als SA und Gestapo 1938 versuchten, Messegänger, unter ihnen viele seiner Untergebenen, von dem Zugang zur Rochuskirche (Wien, III.) abzuhalten, trat er vor sie hin und kanzelte sie ab, indem er erklärte, dass des "Führers" Befehlsgewalt nicht so weit reiche zu entscheiden, ob jemand die Sonntagsmesse besuche oder nicht. Danach ließen sie ab!
3. Treue Freundschaft bis zum Tode meiner Eltern zu ihren jüdischen Freunden, die von mir noch weitergeführt wird, und das erschrockenen Aufwachen meiner Eltern zur Nazirealität 1938, als diese Freunde emigrieren mussten. Von einem Wissen über den noch nicht ausgeführten Holocaust konnte jedoch damals nicht die Rede sein!
Obwohl nach dem Krieg von den Amerikanern verhört, wurde er aber nie verhaftet, sühnte seine Mitgliedschaft zur NSDAP in der Arbeitslosigkeit, die er als freischaffender Verleger (Bindenschild Verlag), Redakteur und Schriftsteller verbrachte, bis er zirka 1952 durch den damaligen Präsidenten der Bundeswirtschaftskammer, Julius Raab, dem späteren Bundeskanzler, wieder an die Kammer zurückgeholt wurde.
Die Erfahrungen des Nationalsozialismus läuterten ihn zum überzeugten konservativen Österreicher und Monarchisten, jedoch leugnete er nie, wohl nur im kulturellen und geistigen Sinne, nicht aber im nationalen, das alles umspannende Band des Deutschtum, von dem er immer mit Ehrfurcht sprach, in dem er aber aus geschichtlichen, imperialen Gründen in Opposition zu Preussen Österreich die Vorherrschaft zuschob.“